Der Bergdoktor

Die Ausgangssituation war, das mein Hausarzt in München eine aktuelle Diagnostik eines Facharztes benötigte. Da mein Wirkungsbereich zur Zeit in den Bergen ist, sollte das auch hier geschehen. In der hiesigen Apotheke nach dem ortsansässigen Facharzt erkundigt, diesen aufgesucht um einen Termin zu vereinbaren und dabei mein Anliegen sehr genau beschrieben. Eine Wartezeit von 6 Wochen stellte kein Problem dar, da ich keine sofortige ärztliche Versorgung benötigte.

Am betreffendem Tag war ich pünktlich, überpünktlich da mir nicht bekannt war das ich die erste Patientin nach der Mittagspause war, und stand deshalb eine geschlagene viertel Stunde vor verschlossener Tür, mein Fehler. Punkt vierzehn Uhr wurde die „Pforte“ geöffnet und ich durfte im Wartezimmer verweilen, großartig schon wieder warten, wie ich das hasse!

Da saß ich nun alleine und langweilte mich, ganz blöde Situation, dabei werde ich vorsichtig gesagt ein wenig ungeduldig. Ich bin der einfältigen Meinung, da von mir pünktliches Erscheinen zum vereinbarten Termin gewünscht wird, möge sich der Arzt doch bitte auch an einen relativ zeitnahen Ablauf halten. Klar wenn andere Patienten vor mir sind akzeptiere ich schon eine halbe Stunde Wartezeit, aber ich war mutterseelenallein in diesem Wartezimmer, besser gesagt auch die einzige Patientin in der Praxis.

30 Minuten später erschien dann der Herr Doktor, ein wenig abgehetzt in Bergsteigerkluft und verschwitzt! Der Bergdoktor schoss es mir in den Kopf, na hoffentlich zieht er sich noch um und duschen wäre sehr angebracht, dafür würde ich gerne noch ein kleines bisschen länger warten. Keine 5 Minuten später, immer noch im selben Outfit und genauso verschwitzt, aber dafür herablassend und gelangweilt, stand Herr Doktor ungefähr 10 Meter vom Warteraum entfernt und las meinen Namen von einem Zettel ab oder versuchte es. Nachdem er ihn 5x falsch abgelesen hatte, so schwer ist mein Nachname auch nicht, fragte ich ihn ob er des Lesens mächtig sei! Kein guter Einstieg, gebe ich zu, aber dass musste raus so emotional und so.

Er fragte was er für mich tun könnte, gedacht habe ich mir „erstmal duschen“ laut aber versuchte ich ihm klar zu machen das ich eine aktuelle Diagnose bräuchte. Ich gebe zu, wenn ich erzähle fange ich gerne bei Adam und Eva an, was für mein Gegenüber meist sehr verwirrend und einschläfernd ist. Ich versuchte nochmal in einer Kurzfassung auf den Punkt zu kommen. Endlich schien er zu verstehen was ich wollte und erwiederte dann sofort er wäre nicht der richtige Ansprechpartner, sein Fachgebiet ja aber er hätte sich spezialisiert.

Ich schaute ihn ungläubig, mit vielen Fragezeichen in meinen Augen an, „wie bitte das glaube ich jetzt aber nicht“! Ich hatte vor 6 Wochen bei der Anmeldung genau beschrieben was mein Anliegen ist und nun diese Reaktion? Also, er könne mir in dieser Angelegenheit nicht weiterhelfen aber, und jetzt kam es, er hätte da einen sehr kompetenten Kollegen in, nein nicht in diesem Ort, in München!!! Gleichzeitig schob er mir ständig einen Flyer dieses Arztes zu, den ich immer wieder zurückschob. Von da an weiß ich nicht mehr genau was ich zu ihm sagte, aber wir haben uns Wort- und Grußlos getrennt, höflich glaube ich war ich nicht.

Wutentbrannt stürmte ich aus der Praxis zur Apotheke um diesen Reinfall kundzutun, das musste jetzt raus, aber sowas von raus. Geduldig hörte sich der Apotheker mein „Ach so großes Leid“ an und empfahl mir dann einen anderen Arzt, nicht die selbe Fachrichtung aber ebenso eine Möglichkeit. Da dieser Ort nicht so riesengroß ist, sind alle Behörden, Geschäfte und Ärzte gleich um die Ecke und zu Fuß erreichbar, was mich aber nicht davon abhielt mit dem Auto zu fahren, man ist ja manchmal doch sehr bequem (stinkfaul). Auto geparkt, Parkticket gezogen (ja auch hier!) und in die Praxis des empfohlenen Arztes gestapft, meine Gesichtszüge waren mir vorher schon entglitten, deshalb sah ich wahrscheinlich gerade aus wie auf einem Rachefeldzug oder wie Medusa, keine Ahnung. Bei der dortigen Anmeldung kurz den kompetenzlosen Fachidioten erwähnt und einen Termin in drei Tagen (immerhin) bekommen. Ich warte jetzt mal ab was mich dort erwartet, aber schlimmer als der Bergdoktor kann es kaum kommen oder doch??? Fortsetzung folgt…:-)

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