Die Panikattacke

 

Klatsch, da war sie wieder, unaufgefordert überrascht sie mich mitten in meinem Tag, die Angst. Geh weg, denke ich, jetzt kann ich dich nicht gebrauchen, jetzt nicht und eigentlich überhaupt nicht mehr. Verschwinde sofort, das funktioniert aber leider niemals, weder heute noch damals. Oh an damals möchte ich gar nicht denken und versuche die Zähne zusammenzubeißen und die Schritte bewusst auf dem Asphalt zu gehen. Du musst nur weitergehen, denke ich, dann verzieht sie sich wieder, die Angst. Also durchhalten, nicht klein beigeben, bloß nicht sonst bist du wieder eine Gefangene deiner Angst, es wird dann wie früher, du hast Angst vor der Angst. Skurrile Gedanken schießen mir durch den Kopf, bestimmt sehen die anderen Menschen das du in Panik und wackelig auf den Beinen bist, ganz bestimmt fällst du auf und hoffentlich kippe ich nicht um. Dabei bin ich noch nie umgekippt und den Leuten die an mir vorbeirennen fällt glaube ich überhaupt nichts auf. Zu sehr mit sich oder dem Handy beschäftigt, oder einfach nur ohne Interesse für ihre Umwelt…. Bei jedem Schritt wird es besser mit der Panikattacke, ich bleibe an einem Schaufenster stehen um mich ein wenig zu fangen, starre minutenlang auf die ausgestellten Sicherheitsschlösser. Dann habe ich die Kraft weiterzugehen, warum habe ich bloß mein Auto im Parkhaus abgestellt, der Weg dahin scheint kein Ende zu nehmen.

Atmen, schießt es mir in den Kopf, vergiss nicht zu atmen, ok klappt ich werde ruhiger. Die Sonne blendet in den Augen und ich suche eine Ewigkeit die Sonnenbrille in meiner Handtasche, was mich in diesem Moment noch unsicherer macht. Ich schicke Stoßgebete zum Himmel, bitte lass mich nicht jemanden treffen den ich kenne, es wäre mir zu peinlich. Obwohl ich weiß, dass man mir die Attacke nicht ansieht, beruhigt mich das nicht wirklich. Weitergehen, sagt mein Kopf, geh einfach weiter bald ist es geschafft, bald bist du in Sicherheit in deinem Auto. Es wird langsam besser, die Panikattacke lässt spürbar nach, aber ich fühle mich als hätte ich eben eine schwere Operation überstanden, völlig geschwächt von dieser für mich immensen Anstrengung.

Früher als ich nicht wusste was in diesem Moment mit mir passiert, dachte ich, ich sterbe auf der Stelle. Von jetzt auf gleich wurde mir extrem schwindlig, meine Beine hatten keine Kraft mehr zu stehen und mein Herz raste wie verrückt. Diese Attacken wurden immer häufiger und intensiver, irgendwann war ich am Ende mit meinem Mut und vermied einfach mein Zuhause verlassen. Ich suchte Hilfe bei Ärzten, denn ich war überzeugt davon, ich benötige nur ein paar Tabletten und alles würde wieder wie früher sein. Als der Arzt mir im Krankenhaus, nach endlosen Untersuchungen, die Diagnose mitteilte war ich irgendwie maßlos enttäuscht, ich war nicht körperlich krank, sondern seelisch. Das hat mich damals mehr erschüttert, als wenn man mir gesagt hätte, das ich ein körperliches Leiden habe. Ich war doch nicht verrückt und dann kam der Arzt mit dieser Aussage. Ich habe fast zwei Jahrzehnte gebraucht um wieder am Leben teilnehmen zu können und das lass ich mir auf keinen Fall mehr nehmen, von nichts und niemanden.

In Gedanken versunken habe ich mein Auto erreicht, mit zittrigen Fingern sperre ich die Autotür auf und lasse mich auf den Sitz fallen, für dieses Mal ist es wieder vorbei mit der Attacke. Ich fahre aus dem Parkhaus und halte bei der nächsten Möglichkeit an um mich noch ein wenig zu beruhigen und bin stolz auf mich, ja stolz!! Ich habe dieser Panikattacke wieder einmal die Stirn geboten und werde es auch das nächste Mal, den es wird ein nächstes Mal geben, das weiß ich!!

Ich weiß nicht wann oder wo, aber sie lauert auf mich und wird da sein wenn ich es nicht erwarte, aber auch dann werde ich ihr mit aller Wucht in ihr fieses Gesicht schlagen und sie besiegen. Du hattest mich zwanzig Jahre in deinem unbarmherzigen Griff, du kannst mich nicht mehr Kleinkriegen, erschrecken ja, aber niemals wieder besitzen!!

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