Happy New Year

Da war er der herbeigesehnte Tag, er sollte der Anfang vom Ende einer sehr belastenden Situation sein. Es war das letzte Sylvester unserer Familie, in dieser Konstellation, in dieser Wohnung in der wir seit 30 Jahren wohnten, lebten und älter wurden. Vor kurzem hatte ich mich von meinem langjährigem Partner getrennt, es war meine sehr lange überlegte Entscheidung, was die Feiertage um den Jahreswechsel nicht gerade fröhlich gestaltete. Weihnachten haben wir komplett ausfallen lassen und es als Familientreffen deklariert, da zusätzlich zur sowieso schon angespannten Situation hinzukam, daß meine Mutter im neuen Jahr in ein Pflegeheim zieht. Wir feierten nicht wie gewohnt bei uns sondern bei meiner Ma, die körperlich nicht mehr mobil ist und deshalb quetschten wir uns um einen kleinen Tisch in ihrer Küche. Wäre die Stimmung nicht so bedrückend gewesen, hätte es sogar witzig sein können, da zuwenig Stühle vorhanden waren und ich auf dem Rollator meiner Mutter sitzend den Teller in der Hand, in meinem Weihnachtsessen stocherte. Glücklicherweise war nach vier Stunden die Qual vorbei und wir fuhren sehr schweigsam und nachdenklich nach Hause.

Dann stand eine Woche später der so lange erhoffte Tag an, ab nächstes Jahr würde sich mein Leben komplett ändern! Euphorie stellte sich nach einer schlaflosen Nacht mit angehender Migräne am Morgen absolut nicht ein. Wie halbtod kämpfte ich mich durch den Vormittag und keine Aussicht auf Besserung seitens meines Kopfes und meines Gemütszustandes, im Gegenteil.Je mehr ich an meine Zukunft im neuen Jahr dachte, um so mehr Zweifel stiegen in mir hoch. Hatte ich wirklich alle Entscheidungen richtig getroffen, was ist wenn nur ein Puzzleteilchen in meiner Plannung nicht paßt und ich nächstes Jahr einsam und allein in einer neuen Wohnung sitze und alle Träume zerplatzen.

Als erstes galt es diesen Abend zu überstehen ohne in Selbstzweifel zu ertrinken oder einen reumütigen Rückzug zu machen und alle Entscheidungen für Null und Nichtig zu erklären. Keiner von uns drei, mein Expartner, mein Sohn und ich waren in der Stimmung die Korken knallen zu lassen und ausgelassen das neue Jahr zu begrüßen, doch wundervoller Weise zogen sich die Stunden bis Mitternacht nicht endlos in die Länge. Zum Neujahr wünschen fielen wir uns nicht wie all die Jahre in die Arme, sondern stießen mit unseren Gläsern an als würden wir uns nur flüchtig kennen, sehr kühl und distanziert. Jeder von uns stand allein für sich an einem anderen Fenster und beobachtete das Spektakel auf der Straße mit Feuerwerk, Böllern und Menschen die ausgelassen und gut gelaunt das neue Jahr begrüßten. In einem kurzen Moment dachte ich daran, daß ich dieses Szenario vor meinem Fenster nie wieder sehen werde und war den Tränen sehr nahe.HAPPY NEW YEAR; Depressionen inklusive !!!

 

 

 

Ich war noch nie in meinem Leben Sylvester so zeitigt im Bett und fühlte mich so wahnsinnig einsam. Selbst Schuld könnte man sagen, du wolltest es doch so, du hast doch alles so entschieden, du hast alles  zersplittert, das hast du nun davon. Was für unerträgliche Gedanken einem im Kopf schwirren wenn man in einem sehr tiefen Tal wandelt, Worst Case Szenarien. Aber ich weis das hält nicht an und wird mit der Zeit vergehen und ich werde wieder mit erhobenem Kopf auf MEINE NEUE ZUKUNFT zugehen, mit kleinem unsicherem Lächeln und später wieder aus vollem Herzen lachen. Deshalb werde ich meiner Trauer mit aller Kraft in den Hintern treten und bald wird sie mich soviel interessieren wie der berühmte Sack Reis der irgendwo umfällt!!

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