Meine Art der Meditation

Ich hatte einen dieser, von mir liebevoll genannten, „K.O.-Tagen“, an denen mich mein Körper zwang eine Pause einzulegen. Er forderte Schlaf und Aufmerksamkeit, beides hatte er in letzter Zeit nicht ausreichend bekommen. Nach einer Nacht ohne erholsamen Schlaf war ich erschöpft und mein Körper schrie nach einer Auszeit. Die letzten Wochen waren extrem anstrengend, nicht nur physisch sondern auch psychisch. Der Morgenkaffee, den ich sonst so genüsslich in mich aufsauge, erzeugte Übelkeit und Kopfschmerzen, mein ganzer Körper schmerzte von der Überlastung der letzten Zeit. Ich wusste, ich musste mich an diesem Tag schonen, sonst würde ich in absehbarer Zeit einen Zusammenbruch erleiden.

Das morgentliche Ritual im Bad erforderte mehr Kraft als ich aufbringen konnte, darum zog ich es vor, mich wieder in mein Bett zu legen. Keine Verpflichtung hielt mich davon ab, mich an diesem Tag „gehen“ zu lassen. Ich fror, mir war äußerlich und innerlich kalt, drei Decken sollten mir die fehlende Wärme spenden und harrte der Dinge. An Einschlafen war nicht zu denken, zu viele Gedanken und Fragen schwirrten in meinem Kopf umher und forderten Antworten, die ich nicht geben konnte. Irgendwann fiel ich einen „schlafähnlichen“ Zustand, nicht wirklich wach aber auch nicht eingeschlafen.

Drei Stunden später war ich etwas ausgeruhter, immer noch geschwächt aber ich fühlte mich etwas besser. Ich war schon als Kind wetterfühlig, in der Stadt konnte ich damit umgehen, aber hier in den Bergen wurde es zu einem Problem. Das Wetter ändert sich in einem so extrem schnellem Tempo, das mein Körper schon die weiße Fahne schwenkt und einfach nur noch auf Schmerzen programmiert ist, egal ob Kopf, Rücken oder sonst wo. Diese Wetterkapriolen waren für meinen Zustand der Erschöpfung keinesfalls positiv. Das Wichtigste an diesen „K.O.-Tagen“ ist für mich kein Stress, entspannt auf dem Sofa oder im Bett liegen und versuchen wieder an Kraft zu gewinnen. In diesen Phasen schwirrt mir oftmals der Gedanke im Kopf, ich sollte versuchen zu meditieren, was mir aber bis heute nicht gelungen ist. Ich habe viele Anleitungen dazu gelesen, kann mich aber nicht so entspannen, das ich diesen Zustand der Ruhe erfahre.

Ich habe mir vor ein paar Tagen etliche Zeitschriften, die sich mit diesem Thema befassen, gekauft und nahm an diesem bewussten Tag ein paar zur Hand. Der ersten Lektüre waren Meditationskarten beigelegt, für eine Reise zu mir selbst. Sie sollten mir den Weg zur inneren Freiheit zeigen und mir meine Stärke bewusst machen. Auf jeder dieser Karten war jeweils nur ein Bild zu sehen, da gab es zum Beispiel einen Drachen, einen Stern, eine Feder und so weiter. Bestimmt nützlich wenn man meditieren kann, ich kann es leider nicht. Ich probierte es übrigens auch mal mit Yoga, war aber nicht so mein Ding. Ich habe zu viel innere Energie (im Normalfall) und wurde deshalb gebeten die Yogagruppe zu verlassen, da ich viel zu viel Unruhe einbrachte!

Zurück zur Meditation, wie erwähnt brachten mir die Karten keine Hilfe, also ignorierte ich sie und begann einen Artikel über Shelfies zu lesen. Das Wort ist eine Mischung aus dem englischen Begriff für Regal (Shelf) und Selfie (klar oder?), das bedeutet Dinge auf einem Regal anzuordnen. Es ist eine Art Meditation, um banal gesagt inneren Frieden zu erlangen, es ist wirklich sehr banal von mir ausgedrückt. Ich dachte einen Moment darüber nach, ob es genau das wäre, was sich für mich eignen würde. Unschlüssig darüber, las ich den Artikel weiter und stieß dann auf eine Aussage, die für mich überaus interessant und zutreffend war.

Autor Neil Seligman sagt, dass Achtsamkeitsmeditation auf zwei Arten ausgeübt werden kann, der Formalen im Sitzen und der informellen Methode während wir den Alltag bestreiten. Die Ruhe kann also im Sein und Tun auch gefunden werden, egal ob Duschen, Wandern, Essen oder Putzen. Das war für mich das Stichwort: Putzen! Ich hatte für mich schon länger erkannt, das wenn ich mit Bedacht putze, also nicht gerade weil es so dringend erforderlich ist, meine innere Unruhe verschwindet und ich dabei entspannen kann. Auch das Bügeln der Wäsche kann ich zu dieser informellen Methode dazu zählen.

Unbewusst hatte ich also schon vor einiger Zeit meine persönliche Art der Achtsamkeitsmeditation gefunden, ohne es zu erkennen. Ich bin in dieser Zeit „da“, bin in der Gegenwart ohne über die Vergangenheit oder Zukunft nachzudenken. Von nun an werde ich diese / meine Methode der Meditation bewusster erleben, denn im Grunde ist es völlig egal wie unorthodox es sein mag, die Hauptsache dabei ist das es funktioniert. 🙂

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